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RS2020Hintere Reihe von links nach rechts: Jarod Biya, Jason Joseph, Finley Gaio.
Vordere Reihe: Simon Wieland, Simon Ehammer, Caroline Agnou und Vincent Notz.
Der Zehnkämpfer Simon Ehammer absolviert gegenwärtig die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen und wurde vor wenigen Tagen zum Schweizer Leichtathlet des Jahres gewählt. Grund genug für ein – aufschlussreiches – Telefoninterview.

Hans Toggenburger: In einer halben Stunde beginnt der zweite Lauf des Weltcupslaloms der Frauen in Levi. Simon, sitzest Du dann auch vor dem Fernsehapparat und geniessest Dein freies Wochenende?

Simon Ehammer:  Ja und nein. Ich bin selbst ein begeisterter Skifahrer, überhaupt ein polysportiver Typ. Und wenn das Schweizer Skiteam so starke Leistungen bringt wie letztes Jahr, dann macht das Zuschauen natürlich doppelt so viel Spass. Und nein: Ich habe mein Training bereits hinter mir. Das ist kein Problem, das gehört dazu.

Du absolvierst die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen. Wie ist es dazu gekommen und wie soll man sich das vorstellen?
Simon: Für einen jungen Sportler ist die Sportler-RS die ideale Erfindung. Ich kann hier unter professionellen Bedingungen trainieren und trotzdem meine Militärpflicht erfüllen. Am 26. Oktober hat es begonnen. Die Grundausbildung, die vor allem aus Sanitätsdienst bestand, ist unterdessen vorbei. Der erste Block dauert noch bis zum 18. Dezember und nach drei Wochen Pause geht es dann bis zum 19. März weiter.

Ist es nicht ein Nachteil, dass Sportler aus den verschiedensten Sommersportarten mit ganz unterschiedlichen Trainingsbedürfnissen zusammenkommen?

Simon: Dass ich Sportler aus anderen Disziplinen kennenlerne, ist für mich eine echte Bereicherung. Es ist spannend zu beobachten, wie sich ihr Training von meinem eigenen unterscheidet. Und ich entwickle grossen Respekt vor den Leistungen, die in anderen Sportarten erbracht werden. Das Rudern beispielsweise sieht so spielend einfach aus. Hier aber sehe ich, wie hart man dafür trainieren muss.

Wie darf man sich Dein Training konkret vorstellen? Besteht es vor allem aus allgemeinem Kraft- und Konditionstraining?

Simon: Ich trainiere wie zu Hause nach einem Wochenplan, den meine Trainer René und Karl Wyler zusammengestellt haben. Sie sind wichtige Bezugspersonen für mich, die mich auch an die Wettkämpfe begleiten. Da sie zu hundert Prozent berufstätig sind, können sie nicht selbst nach Magglingen kommen. Hier leitet Nationaltrainer Nicola Gentsch die Trainings. Dass die Zusammenarbeit zwischen Vereinsebene und Verband so gut klappt, ist für uns Athleten sehr wichtig. 

Gegenwärtig absolvieren sechs Leichtathleten die Sportler-RS, darunter mit Finley Gaio und Caroline Agnou auch zwei Mehrkämpfer. Finley ist gleichzeitig ein sehr guter Kollege und seit der U18 mein grösster Konkurrent.

Aber Du bist ihm mindestens zwei Nasenspitzen voraus…

Simon: 563 Punkte genau genommen, und ich setze alles daran, dass dies so bleibt. Aber es ist sehr wertvoll für mich, dass wir gewissermassen unter Wettkampfbedingungen trainieren können. Es kommt hinzu, dass Finley in den Wurfdisziplinen stark ist, wo ich meine grössten Defizite habe.

Wovon verspricht man sich – auf einem Niveau von 8231 Punkten – die grössten Fortschritte? Durch Perfektionieren der Stärken oder das Eliminieren der relativen Schwächen?

Simon: Zuversichtlich für meine Karriere stimmt mich, dass ich in allen zehn Disziplinen noch Entwicklungspotenzial besitze. In meinen starken Disziplinen wie Weitsprung oder 110 m Hürden brauche ich für eine weitere Steigerung etwas weniger Trainingszeit. Das ermöglicht es mir, mehr Zeit in das Kugelstossen sowie das Diskus- und Speerwerfen zu investieren. So sollte es möglich sein, mich nächstes Jahr um mindestens 119 Punkte zu steigern.

Eine Punktzahl, die offensichtlich eine Rolle spielt.

Simon: So viele Punkte trennen mich derzeit von der Olympialimite von 8350 Punkten. An den Olympischen Spielen in Tokyo teilzunehmen, ist das grosse Ziel für mich. Eine zweite Chance besitze ich im Weitsprung, wo mich derzeit noch sieben Zentimeter von der Limite trennen. Wenn ich es rein von einer Olympiateilnahme her betrachte, kam für mich die Verschiebung wegen der Coronavirus-Pandemie um ein Jahr nicht ungelegen … 

Du hast demnach weniger stark unter der Coronavirus-Pandemie gelitten als andere Sportler?

Simon: Wenn ich mich mit anderen Sportlern, vor allem aber mit den vielen Menschen, die gesundheitlich oder wirtschaftlich sehr stark unter der Pandemie gelitten haben, so befand ich mich in einer privilegierten Situation. Geholfen hat mir, dass mein Trainer René Wyler und ich positiv denken und immer versuchen, aus jeder Situation das Beste zu machen. In Bezug auf Trainingsorte und Trainingsart entwickelten wir einiges an kreativer Fantasie. Meiner Leistungsentwicklung hat es offensichtlich nicht geschadet. Aber es wäre gut, wenn diese Sondersituation allmählich ein Ende hätte.

Zurück zur angestrebten Olympiateilnahme: Wo rechnest Du Dir die grösseren Chancen aus?

Simon: Wie gesagt, ich denke positiv und werde beide Chancen packen… Im Mehrkampf sollte es kein Problem sein, wenn ich in allen Disziplinen eine Spitzenleistung abrufen kann. Die Herausforderung besteht darin, dass mir dazu – aus physischen Gründen – nur zwei Wettkämpfe zur Verfügung stehen – Ende April in Lana im Südtirol und Ende Mai in Götzis im Vorarlberg. Im Weitsprung hingegen kann ich, wenn ich will, praktisch jedes Wochenende einen Wettkampf bestreiten.

Hast Du im Training die geforderten 8,22 Meter schon einmal übertroffen?

Simon: Im Training geht es um technische Finessen, da spielt die Weite keine Rolle und wird nicht gemessen. Aber ich denke, dass ich nie über 7,80 Meter springe. Ohne die spezielle Wettkampfatmosphäre kann ich keine Spitzenweiten erzielen.

Kommen wir zum eigentlichen Grund unseres Telefonanrufs: Herzliche Gratulation zur Wahl zum Schweizer Leichtathleten des Jahres 2020!

Simon: Herzlichen Dank. Ja, die Wahl ist eine grosse Ehre für mich. Es ist eine Bestätigung, dass meine Leistungen von den Schweizer Leichtathletikfans beachtet und honoriert werden. Wer weiss, vielleicht erleichtert mir diese Auszeichnung sogar die Suche nach Sponsoringpartnern. Was mich am meisten gefreut hat, ist, dass gleichzeitig René und Karl Wyler zu Trainern des Jahres gewählt wurden. Was er und sein Bruder Karl mit dem Turnverein Teufen und der Sportlerschule Appenzell für die Nachwuchsförderung im Appenzellerland und für mich persönlich geleistet haben, ist unbeschreiblich.

Herzlichen Dank, lieber Simon, für dieses Gespräch. Ich wünsche Dir eine weiterhin gute Sportler-RS und 2021 eine erfolgreiche Wettkampfsaison.

 

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