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Semyel Rehabilitation2021Etwas mehr als drei Monate nach seiner Kreuzbandverletzung mit Meniskusschaden spricht Semyel Bissig über den bisherigen Verlauf seiner Rehabilitation, Verletzungsprävention im Spitzensprort, seine Ziele für die kommenden Monate und die mentalen Herausforderungen bei der Rückkehr in den Weltcup. 

Verletzungen sind Teil des Spitzensports und dennoch sind sie sehr einschneidend und werfen verschiedene Fragen und Ängste auf. Wie bist Du mit der Verletzung umgegangen?

Es ist die erste schwere Verletzung in meiner Karriere. Ich habe sofort realisiert, was Sache ist. Man hört ja das Reissen und kennt dies ja auch von den Erzählungen anderer Fahrer. Es bringt nichts, lange mit dieser Verletzung zu hadern. Je schneller man diese akzeptiert, desto besser. Entsprechend früher ist man wieder zurück. Nun sind rund drei Monate seit der Verletzung vergangen und es fühlt sich alles wieder so an, wie zuvor. Ich fühle mich sehr gut. Normalerweise geht es nicht so schnell, aber bei mir scheint der Heilungsprozess bisher optimal verlaufen zu sein. 

War für Dich sofort klar, dass Du diese Verletzung operieren wirst?

Ich hätte den Kreuzbandriss wohl alternativ behandelt, wäre nicht noch ein Meniskusschaden hinzugekommen. Da war für mich klar, dass ich operieren werde. Nach einer Meniskus-Verletzung geht man sechs Wochen an Krücken. Behandelt man eine reine Kreuzbandverletzung alternativ, baut man durch gezieltes Training Muskeln auf, so dass die Verletzung von selbst heilen kann. In diesem Fall lässt sich der Heilungsprozess nicht so genau abschätzen. Eine Kreuzbandoperation hingegen ist ein Routineeingriff, entsprechend lässt sich die Rehabilitation danach relativ einfach planen. 

Als Sportler stehst Du stets unter Leistungsdruck. Mit was für einer Art von Druck bist Du nun konfrontiert, gibt es auch so etwas wie einen Leistungsdruck im Rehabilitationsprozess?

In meiner Situation bringt es nichts, den Heilungsprozess und das Training zu forcieren. Ich bin der Ansicht, dass man dem Körper einfach ausreichend Zeit geben muss, um zu heilen. Es ist falsch, zu schnell, zu viel machen zu wollen. Der optimale Heilungsprozess eines Kreuzbandrisses mit Meniskusschaden beträgt sechs Monate. Ich wäre also frühestens im Februar, März wieder in der Lage auf den Skiern zu stehen. Dann kommt das ganze Training hinzu, so dass ich vielleicht noch für das letzte Rennen der Saison einsatzbereit wäre. Ein Einsatz macht da aber keinen Sinn, weil ich ansonsten meinen Verletztenstatus gefährde, der voraussetzt, dass man acht Monate vor dem Saisonauftakt in Sölden keine Rennen fährt. Meine Planung sieht entsprechend vor, dass ich erst in der kommenden Saison wieder Rennen fahren werde und lasse nun alles vollständig ausheilen. Konditionell gelangt man vergleichsweise rasch wieder auf ein gewisses Niveau, schwieriger wird es, wenn man die Verletzung nicht ausheilen lässt und es da wiederholt zu Problemen kommt. 

Nimmst Du im Rehabilitationsprozess auch externe mentale Unterstützung in Anspruch?

Ich setze mich mental mit der Verletzung intensiv auseinander. Als Athlet hat man diese Bewegung, die zur Verletzung führte, zuvor bereits Tausende Male gemacht. Dies kann zu einer gewissen Verunsicherung führen. Andererseits weiss ich, dass – lässt man die Verletzung vollständig ausheilen – das Knie danach stabiler ist als zuvor. Ich mache mir da keine Sorgen und werde auch mental bereit sein. Ob und inwieweit man als Athlet auf Mentaltraining oder psychologische Unterstützung zurückgreift, ist sehr individuell. Ich habe bisher noch keine für mich passende externe Lösung gefunden. 

Fühlst Du Dich im Rehabilitationsprozess von Deinem Umfeld unterstützt oder ist man da als Athlet sehr einsam?

Operiert wurde ich im sportmedizinischen Zentrum Altius in Rheinfelden, wo ich auch im Rahmen meiner Rehabilitation optimal unterstützt werde. Mittlerweile fahre ich noch zweimal wöchentlich nach Rheinfelden. Daneben trainiere ich für mich selbst. Ich habe auch privat Kontakt zu Teamkameraden, was dazu führt, dass ich mich in meiner Rehabilitationsphase sehr gut eingebunden und integriert fühle. Gleichzeitig geniesse ich die freie Zeit und verbringe viel Zeit mit meiner Freundin und meiner Familie, was normalerweise im Winter nicht möglich ist. 

Wie geht man nach einer Verletzung im Training mit der Frage um, wie stark man die Belastung im verletzten Knie forcieren darf? 

Ich gehe damit sehr intuitiv um. Natürlich wird einem gesagt, wie und in welcher Intensität man nach einer solchen Verletzung trainieren darf. Letztlich höre ich aber auf meinen Körper. Es ist einfach: Wenn es schmerzt, gilt es einen Gang herunterzuschalten. 

Gibt es so etwas wie eine Verletzungsprävention oder ist man als Sportler Verletzungen einfach willkürlich ausgesetzt?

Es gibt sicherlich verschiedene Faktoren, die Auslöser für eine Verletzung sein können. Es ist als Sportler ein schmaler Grat zwischen zu wenig und zu viel körperlicher Beanspruchung. Ich achte darauf, mich ausgewogen zu ernähren, ausreichend zu schlafen und meinem Körper auch Erholung zu gönnen. Ich denke viele Verletzungen passieren aus einer Überbeanspruchung des Körpers. Wenn jemand mehrere Kreuzbandverletzungen hat, dann muss er sicherlich sein Trainings- und Wettkampfprogramm hinterfragen. Das passiert nicht einfach so. 

Dein Teamkollege Marco Odermatt ist furios in die Saison gestartet, mit was für Gefühlen hast Du dieses Rennen in Sölden geschaut?

Ich fand es ganz angenehm, das Rennen am TV zu verfolgen. Meine Verletzung habe ich akzeptiert, so dass auch keine Wehmut aufkam. Der Sieg von Marco war natürlich grandios und ich habe mich darüber sehr gefreut. 

Wie sieht Dein Zeitplan in der Rehabilitation aus. Was sind für Dich die nächsten Meilensteine?

Mein Ziel ist es, gesund zu werden und dafür lasse ich mir Zeit. Ich werde die Trainingsintensität in den kommenden Monaten systematisch steigern. Auf dem Schnee trainieren werde ich wohl erst wieder ab März und danach gilt es eine optimale Saisonvorbereitung für 2022/2023 zu absolvieren. In diesem Winter werde ich wohl noch einige Zeit wegfahren, etwas, was sonst für mich in dieser Jahreszeit nicht möglich ist. Geplant ist aber noch nichts.

 

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