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bieri nachwuchsMarcel Bieri ist mit zwei Kranzgewinnen auf dem Stoos und am Innerschweizer Kantonalen sehr gut in die neue Schwingsaison gestartet. Auch wenn er am vergangenen Sonntag am Berner Kantonalen den Kranz verpasste, zeigt er sich erfreut über die Rückkehr des Publikums in die Schwingarena. Im Weiteren spricht der Zuger Spitzenschwinger über seinen bisherigen Saisonverlauf, die Nachwuchsförderung und die Professionalisierung im Schwingsport. 

Marcel Bieri, das Berner Kantonale in Aarberg fand am Sonntag zum ersten Mal wieder vor Tausenden Schwingfans statt. Was war dies für ein Gefühl, endlich wieder vor Publikum im Sägemehl zu stehen? 

Zum ersten Mal seit dem ESAF in Zug vor zwei Jahren haben wir wieder vor so vielen Zuschauern geschwungen. Dies macht Freude und fühlt sich grossartig an. Ohne Zuschauer fehlt dem Schwingsport ein zentrales Element. Man hat es am Sonntag gespürt. Die einzigartige Atmosphäre war wieder da. Die Arena hat vibriert in Aarberg. So macht es wieder Freude. 

Ihr Fazit zum Berner Kantonalen?

Mein Fazit ist ein wenig durchzogen. Den Kranzgewinn habe ich verpasst. Mein Notenblatt weist am Schluss zwei Siege, zwei Niederlagen und zwei Gestellte auf. Im ersten Gang traf ich auf den Schwingerkönig und späteren Festsieger, Kilian Wenger. Dieser befindet sich derzeit nach seinem Sieg auf dem Brünig in einer blendenden Verfassung, was sich dann auch im späteren Festverlauf eindrücklich zeigen sollte. Nach dem Gestellten gegen Kilian Wenger traf ich mit Fabian Staudenmann und Thomas Sempach auf zwei weitere Eidgenössische Kranzschwinger.  

Wie sind Sie allgemein zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Die Zeit nach dem ESAF in Zug war sicherlich für alle Schwinger nicht ganz einfach. Über eineinhalb Jahre fanden keine Schwingwettkämpfe statt. Das Training im Schwingkeller war viele Monate nicht möglich. Der Schwingsport befand sich ausgelöst durch Covid-19 in einer existenziellen Krise. Unter diesen Voraussetzungen war es schwierig, sich im Training zu motivieren. Lange Zeit hat die Perspektive gefehlt. Positiv war, dass ich meine noch 2019 zugezogene Schulterverletzung in dieser Wettkampfpause auskurieren konnte. Es war für mich meine erste ernsthaftere Verletzung. Umso erfreulicher war es dann, als es im Juni endlich wieder losging. Mit zwei Kranzgewinnen auf dem Stoos und am Innerschweizer Kantonalen hat die Saison sehr gut begonnen. 

Diese Saison treten Sie zum ersten Mal als Eidgenosse auf. Was hat sich seither für Sie verändert?

Den eidgenössischen Kranz am ESAF vor meiner Haustür zu gewinnen, war ein grosses Ziel von mir. Insofern macht es viel Freude, nun als Eidgenosse im Sägemehl zu stehen. Aufgrund meiner vergangenen Leistungen und auch als Neu-Eidgenosse werde ich von der Einteilung aber nicht geschont und auch die Gegner sind natürlich stets besonders motiviert, einen Eidgenossen zu besiegen und diesen Sieg im Notenblatt zu verzeichnen. 

Sie nahmen gestern am Jungschwingertraining in Baar teil. Inwiefern sehen Sie sich als aktiver Spitzenschwinger auch in einer Vorbildfunktion?

Der Schwingsport lebt mehr noch als andere Sportarten von der Solidarität zwischen allen Alters- und Leistungskategorien, zwischen aktiven und ehemaligen Schwingern. Wir sind im Schwingsport eine grosse Gemeinschaft bzw. Schicksalsgemeinschaft. Damit der Sport lebt, braucht es eine solide und möglichst breite Basis von Schwingern aus allen Regionen der Schweiz. Die aktive Nachwuchsförderung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Nur wenn es uns gelingt, möglichst viele junge Menschen für den Schwingsport zu begeistern, hat dieser Sport auch eine Zukunft. Es will niemand, stets nur immer die gleichen 20-30 Schwinger im Sägemehl sehen. Es gilt nun, die Euphorie und die Begeisterung rund um den Schwingsport zu nutzen, um junge Menschen aktiv dafür zu begeistern. Insofern ist es mir eine grosse Freude, meinen Beitrag zur Nachwuchsförderung zu leisten. 

Inwiefern hat sich das Schwingen seit Ihren ersten Anfängen verändert?

Der Schwingsport hat sich sicherlich professionalisiert, wie dies aber auch in anderen Sportarten der Fall ist. Die Schwinger sind athletischer geworden und an der Spitze wird im Kraftbereich und der Athletik inzwischen sehr professionell gearbeitet. 

Als Primarlehrer sind Sie mit dem Lebensgefühl der jungen Menschen vertraut. Was braucht es aus Ihrer Sicht, um den Schwingnachwuchs nachhaltig zu stärken? 

Jugendliche haben heute im Gegensatz zu früher viel mehr Optionen, was ihre Sport- und Freizeitaktivitäten betrifft. Selbst in ländlichen Regionen hat die Konkurrenz an Sportarten stark zugenommen. Auch die traditionellen Turnvereine geraten dadurch unter Druck. Es braucht neue Wege, um Jugendliche anzuziehen. Man muss die Jugendlichen möglichst früh für den Schwingsport begeistern, wie dies bereits in den Clubs und in speziellen Lagern passiert. Ich sehe noch ein gewisses Potenzial in den Städten. Ich bin überzeugt, dass es auch da noch mehr Jugendliche gibt, die für den Schwingsport zu begeistern wären. Dazu braucht es aber auch die entsprechende Infrastruktur und die Trainingsmöglichkeiten. Die Schwingvereine in urbanen Regionen sind da besonders gefordert. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man den Schwingsport vermehrt in die Städte bringt, wie dies beispielsweise im Beachvolleyball – im Zürcher Hauptbahnhof seit vielen Jahren der Fall ist. 

Wie kamen Sie damals zum Schwingsport?

Ich kann damals über den Turnverein im Nationalturnen in Kontakt mit dem Schwingsport. Aufgewachsen bin ich auf dem Bauernhof Bachmatt mit meinen Eltern und zwei Brüdern. Nach erfolgreicher Lehre als Zimmermann, mit BMS-Abschluss, studierte ich anschliessend an der Pädagogischen Hochschule Zug, wo ich mich zum Primarlehrer ausbilden liess. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich auf unserem Hof in Edlibach aufgewachsen durfte. Rückblickend scheint mir: Das frühe Zupacken hat auch mir nicht geschadet und im Schwingen war dies ja dann auch ein Vorteil (lacht). Die Liebe zum Handwerk ist geblieben. Mit Holz zu arbeiten, bereitet mir auch heute in meiner Freizeit und mit meinen Schülern grosse Freude.

Sie sagen es, Sie nehmen als Aktiver auch an den Nationalturnen teil. Wie wichtig ist für Sie das Turnen allgemein?

Jeweils einmal jährlich nehme ich mit dem STV Menzingen an der Schweizermeisterschaft im Nationalturnen teil. Meine Paradedisziplinen sind neben den Zweikampfdisziplinen Ringen und Schwingen, die «Freiübung» (Bodenturnen). In den vergangenen Jahren belegte ich an der Schweizermeisterschaft immer wieder Spitzenrangierungen. Ich schätze vor allem auch die Kameradschaft im Turnverein. 

Können Sie uns den Unterschied zwischen einem Turner- und einem Sennenschwinger erklären? Gibt es da – mit Ausnahme der Bekleidung – noch Unterschiede?

Als Turnerschwinger werden die Schwinger mit weisser Hose und weissen Shirt bezeichnet. Sie stammen zumeist aus einem Turnverein ab, wie auch in meinem Fall vom STV Menzingen. Geschichtlich galten die Turnerschwinger lange als Städter, während die Sennenschwinger als ländliche Schwinger galten. Mit der zunehmenden Verstädterung der Schweiz haben sich aber auch diese Unterschiede verringert und teilweise verwischt. Samuel Giger beispielsweise, Schweizermeister im Nationalturnen für den TV Märstetten, tritt im Sägemehl nicht in weisser Hose und weissem Shirt an. 

 

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