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2021 simonet interview«Rein fahrtechnisch habe ich diese Saison einen weiteren Schritt nach vorne gemacht», blickt Sandro Simonet auf den Skiwinter 2020/21 zurück. Mit gemischten Gefühlen, denn die Resultate haben insgesamt keineswegs den hohen Erwartungen entsprochen, die er selbst an sich stellt. Der allererste Podestplatz im Weltcup und der dritte Schweizermeistertitel in der Kombination stimmen ihn aber versöhnlich und optimistisch für die nächste Saison.

Herzliche Gratulation zum bereits dritten Schweizer Meistertitel in der Kombination. In Zinal bist Du offensichtlich noch einmal zu einer bemerkenswerten Spätform aufgelaufen.

Sandro Simonet: Danke. Die Schweizer Meisterschaften waren für mich eine strenge, doch sehr schöne Woche. Ich freue mich riesig über diesen Meistertitel und die anderen guten Resultate. Das mit der Spätform würde ich allerdings relativieren. Ich fühlte mich nicht besser in Form als während des ganzen Winters…

Tatsächlich? Darauf müssen wir nochmals zurückkommen. Bleiben wir vorerst aber beim Kombinationstitel. Er beweist, dass Du eigentlich ein Allrounder bist.

Sandro: Der Slalom ist klar meine stärkste Disziplin, doch die wettkampfmässige Kombination mit einer zweiten Disziplin behagt mir sehr und ist meiner Meinung nach auch für die Zuschauer attraktiv.

Dann ist es also nicht so, dass Du ganz auf die Karte Slalom setzest?

Sandro:  Ich würde gerne mehr Kombinationswettkämpfe bestreiten. Es ist schade – und für mich eigentlich nicht nachvollziehbar – wieso sich für solche Anlässe so wenige Organisatoren finden lassen, leider auch in der Schweiz nicht.

Allerdings hast Du nicht allzu viele Einzelrennen in anderen Disziplinen absolviert, in der Abfahrt zum Beispiel, wo Du mit einem 6. Platz an der Schweizer Meisterschaft Dein Potenzial angedeutet hast…

Sandro: Am guten Willen meinerseits fehlt es nicht. Es würde mich schon reizen, vermehrt Abfahrten zu bestreiten. Doch für eine Abfahrt muss ich wegen der vorgeschriebenen Trainings fast eine Woche investieren können. Es ist alles andere als einfach, einen auf meine Bedürfnisse ausgerichteten Rennplan zusammenzustellen, zumal wenn man Weltcupslaloms mit den Terminen des Europacups oder der FIS-Rennen in den anderen Disziplinen kombinieren muss – und man darf nicht vergessen, dass die Coronavirus-Pandemie im Europacup zu vielen Absagen geführt hat.

Als eine Art Ersatz für die Alpine Kombination werden manchenorts die Parallelrennen und die Teamevents angesehen. An der WM hast Du mit dem Team die Medaille knapp verpasst. Ein kritisches Wort zu den Wettkampfbedingungen?

Sandro: Es ist nicht möglich, zwei identische Pisten für ein Parallelrennen zu präparieren. Im Einzelwettkampf führt dies zu Ungerechtigkeiten, solange im ersten Lauf mit einem Maximalvorsprung operiert wird. Beim Teamevent ist das anders. Da heben sich die Ungleichheiten wieder auf. Natürlich wäre ich gerne mit einer Medaille nach Hause gereist, aber für mich war die WM trotzdem ein positives Erlebnis. Ich mache ausgesprochen gerne beim Teamevent mit und bin mit den längeren Skiern auch ganz gut zurechtgekommen, auch wenn ich jeweils auf der schlechteren Piste gefahren bin. Mein Ziel ist es, beim nächsten Teamevent wieder dabei zu sein.

Wurmt es Dich, dass Du beim WM-Slalom zuschauen musstest?

Sandro: Es war eine sehr schwierige Entscheidung für die Verantwortlichen von Swiss Ski, die ich respektiere – genau so wie Daniel Yule es sicher respektiert hätte, wenn ich hätte fahren dürfen. In praktisch jedem anderen Land hätte ich nach einem Podestplatz an der WM starten dürfen. Hier wirkte sich das grosse, starke Schweizer Team negativ für zwei Fahrer aus, welche die Normen für einen Start eigentlich erfüllt hatten. Insgesamt aber ist es ein grosser Vorteil und eine zusätzliche Motivation, in einem derart starken Team mitfahren zu dürfen. 

War es denn, um ganz konkret zu werden, nicht zusätzlich blockierend für Dich, zu sehen, wie Luca Aerni Dich wieder überholt und an die Weltspitze stürmt?

Sandro: Ganz ehrlich: Das Gegenteil ist der Fall. Luca Aerni hat eine Krise durchgemacht, als er einfach nicht seine beste Leistung abrufen konnte – und niemand eine Erklärung dafür fand. Dass er diese schwierige Phase überwinden konnte, zeigt mir, dass auch ich das kann. Offensichtlich sind selbst erfahrene Fahrer wie Daniel Yule vor solchen Rückschlägen nicht gefeit. Die Ausgeglichenheit unseres Technikerkaders garantiert, dass wir als Nation trotzdem nicht in eine Krise fallen, wie dies noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen ist.

Befindest Du Dich, wenn wir auf diesen Slalomwinter zurückblicken, auch in einer solchen Krise, in der Du Deine beste Leistung nicht abrufen kannst?

Sandro: Wenn man meinen dritten Platz in Chamonix nicht berücksichtigt, dann erreichte ich diesen Winter nur zwei 21. Ränge in Zagreb und Flachau. Damit kann und will ich nicht zufrieden sein. Das entspricht nicht meinen Ambitionen und auch nicht meinem Leistungsvermögen. Ich würde aber nicht von einer Krise sprechen. Ich bin nicht vom Slalomhimmel abgestürzt, sondern befinde mich immer noch im Aufstieg dorthin, der einfach beschwerlicher ist und länger dauert, als mir lieb ist. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, mich unter den besten 25 Weltcupfahrer zu klassieren. Das habe ich nicht erreicht, doch als Nummer 28 brauche ich noch ein einziges gutes Rennen… Und mit 80 Punkten holte ich so viele wie noch nie. Ich will nichts schönreden, aber ich lasse mich auch nicht beirren.

Du hast Dich also nach den vielen Ausfällen nicht in Selbstzweifeln zerrieben? Du fühlst Dich nicht als Trainingsweltmeister, dem ihm Wettkampf nichts gelingt?

Sandro: Wenn ein Skifahrer ständig an sich zweifelt, dann wird er angesichts der Leistungsdichte im Weltcup nie erfolgreich sein. Es gilt die richtige Balance zwischen Selbstkritik und Selbstbewusstsein zu finden. Wenn ich die Rennen dieser Saison Revue passieren lasse, so habe ich teilweise Fehler gemacht, die mich heute noch ärgern. Aber es gab auch einzelne Läufe, in denen ich zeigen konnte, was ich draufhabe. Manchmal fehlte mir das Hundertstelglück – und bei meinem besten Ergebnis in Chamonix stand das Hundertstelglück im ersten Durchgang für einmal auf meiner Seite. Zugegeben: Der 31. Januar war sehr wichtig für mich, ohne diesen Podestplatz in Chamonix wäre es nicht so einfach, das Positive zu sehen und darauf aufzubauen.

Und wie sieht dieses Positive aus?

Sandro: Wenn ich meine körperliche und geistige Verfassung anschaue und die Trainingsleistungen berücksichtige, dann bin ich stärker denn je. Ich bin in meiner Entwicklung nochmals einen Schritt weitergekommen. Nun braucht es noch einen, vielleicht zwei Schritte, und ich bin da, wo ich sein möchte und wo ich hingehöre. Trainingsweltmeister ist für mich kein Schimpfwort. In einem derart starken Team gibt es viele wettkampfähnliche Situationen, in denen ich mich bewährt habe. Nach dem Luca-Effekt im Januar wird es nächste Saison zu einem Sandro-Effekt kommen. Dann werde ich mich regelmässig in den Top 15 klassieren und bin stets ein Kandidat für einen Podestplatz.

Dann kannst Du es nicht erwarten, bis es wieder losgeht?

Sandro: Ich freue mich auf die nächste Saison, aber, wenn ich ehrlich bin, geniesse ich nun auch die paar Tage, in denen es etwas ruhiger zu und her geht. Ich werde mich intensiv mit meinem Hauptsponsor beschäftigen, das heisst mit Hilfe der Savognin Bergbahnen meine Heimatregion geniessen, die auch im Sommer einer der schönsten Flecken der Welt ist.

Interview Andreas Schiendorfer

 

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