Einmal Titelverteidigung, einmal Premiere. Mit diesen vier Worten lässt sich das, was im mittleren Westen Englands passiert ist, zuammenfassen. Doch die Geschichten dahinter sind bedeutend mehrsilbiger.
Angelica Moser, die 28-jährige Zürcher Unterländerin, zeigte einen famosen und blitzsauberen Wettkampf und gewann mit einer Höhe von 4,80 m zum zweiten Mal hintereinander EM-Gold. Sie bewies dabei eindrücklich, dass sie in dieser Saison auf dem alten Kontinent das Mass aller Dinge ist. Nach WM-Bronze in der Halle gelang der LCZ-Athletin damit bereits der zweite Medaillengewinn an einem Grossanlass in diesem Jahr. Ein grosser Erfolg auch für ihren Coach Adrian Rothenbühler, der sie auch in diesem Jahr auf den Punkt in Topform brachte.
Für sie war es im Vorfeld dieser EM und auf dem Weg an die Olympischen Spiele 2028 keine Frage, in welcher Disziplin sie antritt, seit vielen Jahren gehört sie zu den besten ihres Fachs. Ganz anders präsentierte sich die Situation bei Simon Ehammer (26). Der Mann des TV Teufen zeigt bisher eine formidable Saison. WM-Gold im Siebenkampf, Sieg in Götzis im Zehnkampf, und doch entschied sich der Schützling von Yves Zellweger, der nach wie vor unter der Ägide von René Wyler in der Appenzellerland Sportschule das Krafttraining absolviert, in Birmingham im Weitsprung an den Start zu gehen.
Im Rückblick ist klar: alles richtig gemacht. Selbst die Oberschenkelverletzung, die er am Diamond League Meeting in Monaco im Juli erlitt, konnte den Erfolg nicht verhindern. Von seinem medizinischen und sportlichen Team hervorragend versorgt, sprang Ehammer mit 8,29 m auf Rang 2 hinter dem Griechen Miltiadis Tentoglou, seines Zeichens seit Jahren der beste Weitspringer der Welt.
Und Ehammer war danach immer auch mit einem Auge bei den Mehrkämpfern: Und da zeigte sein Klubkollege und U-23-Europameister Andrin Huber einen ersten Wettkampf bei der Elite, der für die Zukunft viel verspricht: Als Neunter mit 8137 Punkten erfüllte er sich seinen Traum eines Top-Ten-Platzes – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weil er im Stabhochsprung mit 4,60 m weit unter seinen Möglichkeiten blieb, verpasste er die persönliche Bestleistung (8188 P.) knapp. Bedenkt man, dass er sich im Herbst 2025 einer Knieoperation unterziehen musste, dem ein kompletter Neuaufbau folgte, ist seine Gesamtleistung jedoch herausragend.